Turnout bezeichnet die muskuläre Ausdrehung der Beine. Es ist keine Laune der Natur und kein Anatomie-Schicksal, sondern eine muskuläre Aktion, die du gezielt erlernen kannst.
Das Turnout gilt vielen als angeboren: Entweder die Hüfte lässt die Auswärtsdrehung zu, oder sie tut es nicht. Diese Vorstellung ist falsch. Die Anatomie setzt einen Rahmen – doch innerhalb dieses Rahmens ist das Turnout keine Frage des Schicksals, sondern der muskulären Arbeit.
Das Turnout ist eine Kettenreaktion. Sie wird sowohl von oben als auch von unten gearbeitet – mit den Füßen und mit der äußeren Schienbeinmuskulatur. Die Rotation wird von oben gesteuert und dann bewusst über die äußere Schienbeinmuskulatur weitergeführt, bis in die Fuß-Außenkante und die kleinen Zehen.
Von oben braucht diese Kette ein aufgerichtetes Becken und eine stabile untere Wirbelsäule – die Arbeit an der C-Kurve. Erst wenn das Becken steht und Beckenboden und Unterbauch halten, bekommt man die Gesäßmuskulatur und das Turnout überhaupt zu fassen.
Der häufigste Fehler ist das Gegenteil dieser Kette: Die Füße werden auf 180 Grad aufgedreht und die Knie zur Seite gepresst, während Hüfte und Füße muskulär nicht mitarbeiten. Die Füße blockieren so die Knie, und die Auswärtsdrehung fühlt sich schwer an – instabil, falsch. Wer dagegen versteht, wie Füße und Unterschenkel mitarbeiten, erlebt das Gegenteil: Es wird leichter. Im Unterricht ist dieser Moment deutlich zu erkennen, und er endet oft mit demselben Satz: „Warum hat mir das nie jemand gezeigt?“
Für das Standbein beschreibt das Balance-Workbook dieses Bild: Es trägt nicht wie eine gerade Säule, sondern wie eine Schraube, die in einer nie endenden Rotation gefühlt immer länger wird. Die Ferse schiebt dabei vor, der Standbeinfuß schraubt sich in den Boden.
Das Turnout ist damit in jedem Alter trainierbar. Ein Turnout mit 40 kann besser sein als eines mit 20 – vorausgesetzt, man weiß, welche Muskeln anzusteuern sind. Diese Arbeit steht auch im Zentrum des Ballett-Bootcamps.
Die Standbein-Arbeit mit dem Schrauben-Bild – Schritt für Schritt erklärt – findest du im kostenlosen Balance-Workbook „In 4 Schritten zu deiner stabilen Balance im Ballett“.